Eine Reihe von Wirtschaftsdaten die gestern veröffentlicht wurden, zeichnete ein relativ positives Bild des US amerikanischen Wirtschaftswachstums. Die wöchentlichen Arbeitslosenansprüche verzeichneten mit 398.000 einen besser als vorhergesagten Anstieg. Ein Bericht über Eigenheimverkäufe zeigte einen kräftigen Aufwärtsknick und übertraf die Erwartungen in erheblicher Weise. Diese Nachrichten trugen dazu bei den Kurs des USD zu senken, während Händler zum Wochenschluss hin mit kleineren Beträgen ins Risiko gingen.

Die Kurse von Safe-Hafen-Währungen wurden in dieser Woche aufgrund der Hinwendung zu höhere Erträge erzielenden Anlagen angekurbelt, allerdings hat der Dollar davon weniger profitieren können als das normalerweise der Fall gewesen wäre. Was jedoch beachtenswert erscheint, ist das Ausbleiben fataler wirtschaftlicher Umschichtungen, wie sie von den meisten Politik- und Medien-Experten in ihren täglichen Analysen und Kommentaren antizipiert worden waren. Sollten wir darüber besorgt oder erleichtert sein?

Der Dollar geriet mehr und mehr unter Druck, je näher der Stichtag 2. August, zur Anhebung der US Schuldenobergrenze für den US Kongress und den amerikanischen Präsidenten, rückt. Der vom Sprecher des Repräsentantenhauses, John Boehner, vorgelegte Plan brach zusammen, als der Haushaltsausschuss des Kongress erklärte, dass der Plan nicht einmal Boehners eigenen Fehlbetragkürzungen entspreche, weswegen am Mittwoch nicht wie vorgesehen darüber abgestimmt wird, was eine mögliche Entscheidung zur Anhebung der US Schuldenobergrenze noch weiter herauszögert. Der finanzielle Druck macht sich vorrangig beim US Dollar bemerkbar, da US Regierungsanleihen gestern Rückläufigkeit verzeichneten.

Am gestrigen Tag, der geprägt war von Risikovermeidung, verzeichnete der US Dollar (USD) Kursverluste. Normalerweise hätte das zu einem Kursanstieg beim Dollar führen sollen. Diese überraschende Ereigniswende steht in direktem Zusammenhang mit der Tatsache, dass sich der US Kongress und das Weiße Haus nicht über die Anhebung der Schuldenhöchstgrenze einigen konnten. Die letzte Frist für eine solche Einigung läuft Anfang kommender Woche aus.

Der Abbruch der Gespräche über die US Schuldenhöchstgrenze am Wochenende führte bis heute Morgen zu unregelmäßigem Verhalten an den Devisenmärkten. Obwohl die Tendenz in Richtung Risikovermeidung zu gehen scheint, was sich durch steigende Edelmetallpreise andeutet, verzeichnet der EUR einen Kursanstieg während der US Dollar (USD) einbricht. Je näher der Stichtag 2. August rückt, umso mehr scheint sich der Kurs des USD abzuschwächen.

Der Rohölpreis stieg gestern beim späten Handel bis auf $ 99,60 pro Barrel. Wachstumsunterschiede zwischen den atlantischen Staaten wurden diese Woche ins Licht gerückt, da die Fertigungs- und Dienstleistungsdaten für Europa leichte Schwächen aufwiesen. Diese Nachrichten konnten bislang allerdings nicht genug Widerstand aufbauen, um dem Anstieg beim Rohölpreis Einhalt zu bieten, da aus China weiterhin erhöhte Rohölnachfrage gemeldet wird.

Das heutige Marktgeschehen dürfte sich höchst volatil gestalten, und Händler sollten auf der Hut sein, wenn sie sich heute in die Investment-Landschaft begeben. Die Wirtschaftsnachrichten mit den größten Auswirkungen kommen heute aus den USA und Europa mit der Veröffentlichung einer Reihe von Berichten zu Fertigung, Dienstleistungen, Arbeitslosenansprüchen, Wohnungsmarkt und Erdgas-Lagerbeständen. Außerdem wird der US Notenbankchef Ben Bernanke eine Stellungnahme zum Dodd-Frank-Akt abgeben, der die Finanzmärkte in den USA reguliert.

Die jüngsten Verluste an der Wall Street konnten gestern zum größten Teil kompensiert werden, da Investoren nach positiven Daten vom US Wohnungsmarkt sich riskanteren Anlagewerten zuwandten. Optimistische Einkommensberichte von großen Firmen wie IBM haben ebenfalls dazu beigetragen, dass sich Investoren in dieser Woche risikofreudig zeigen. Sollte der heutige US Immobilienbericht ähnlich positiv ausfallen, könnte diese Stimmung anhalten, was den Kurs des US Dollar (USD) sinken lässt, während der EUR Kursgewinne verzeichnen wird.

Die Nachrichten über ein Ausbreiten der Schuldenseuche über die ganze Eurozone führten dazu, dass viele Wirtschaftswissenschaftler sehr besorgt darüber sind, dass als nächstes das Verbrauchervertrauen kippen könnte, gefolgt von weiteren Herabsetzungen von Kredit-Ratings, was wiederum zu einer Abwärtsspirale von Schulden und Zahlungsverzug führt. Der heute für 10:00 MGZ erwartete Bericht über die ZEW-Konjunkturerwartungen und das Verbrauchervertrauen könnte Devisenhändlern einen Eindruck davon vermitteln wie die Investment-Landschaft in eine neuerliche Krise gerät.

Die US Wirtschaft wird heute auf dem Wirtschaftskalender kaum vertreten sein, mit Ausnahme des stets maßgeblichen Berichts zu den US TIC-Langzeit-Anschaffungen, einem Index, der den Grad ausländischer und heimischer Investitionen misst. Etwa eine Stunde später wird ein Immobilienmarktindex der National Association of Home Builders (NAHB) veröffentlicht, der allerdings keinen Einfluss auf die Marktentwicklung haben dürfte.

Aufgrund der für Freitag erwarteten Bekanntgabe vielfältiger Wirtschaftsdaten können sich Dollar-Händler auf spannende Währungsbewegungen einstellen, die durch gesteigerte Liquidität herbeigeführt wird. Um 13:30 MGZ werden in den USA die Daten für die nominelle und die Kernrate des Verbraucherpreisindex veröffentlicht, welche die Verbraucherseite des Inflationsberichts dieser Woche beleuchten. Kurz darauf werden Berichte wie der regionale Konjunkturbericht des Fed-Distriktes New York, die Kapazitätsauslastungsquote, der Bericht über die Industrieproduktion wie auch der vorläufige Bericht über das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan als auch die Inflationserwartungen bekannt gegeben.

Da heute eine ganze Reihe von wichtigen Wirtschaftspublikationen anstehen ist mit gesteigerter Volatilität an den Märkten zu rechnen. Die wichtigsten Daten aus der US Wirtschaft dürften den Erzeugerpreisindex (PPI), die Arbeitslosenansprüche, die Einzelhandelsumsätze und die Rohöllagerbestände betreffen. Aus der Eurozone werden die Daten für den Verbraucherpreisindex (CPI) veröffentlicht.

Der Chef der US Notenbank Ben Bernanke wird heute um 15:00 MGZ vor dem Finanzausschuss des Kongresses in Washington, D.C. sprechen. Seine Äußerungen führen für gewöhnlich zu heftiger Volatilität an den Devisenmärkten, da sie auf mögliche zukünftige geldmarktpolitische Bewegungen der US Notenbank hinweisen können.

Die britischen Fertigungs- und Immobiliendaten geben beide Anlass zur Annahme, dass die britische Wirtschaft Wachstum verzeichnet, obwohl die Daten der Industrieproduktion in der vergangenen Woche etwas enttäuschend ausfielen. Die meisten Spekulanten betrachten Großbritannien als eine nur leicht bessere Investitions-Option als die Eurozone. Die Märkte könnten davon profitieren indem sie länger an ihren GBP Positionen festhalten, doch führt die Rückläufigkeit der Region in Hinblick auf solche Positionen bei einigen Investoren zu Unbehagen. Die heute für 9:30 MGZ vorgesehene Veröffentlichung der neuesten Inflationsdaten könnte dazu beitragen die Datenlücke zu füllen.

Trotz zunehmender Stärke des US Dollar, der Währung in der Edelmetalle bewertet werden, fand der Preis für Gold, Silber und Platin in der vergangenen Woche Unterstützung. Gold handelt bereits seit April mit leichter Aufwärtstendenz, allerdings scheinen Händler, aufgrund der um sich greifenden Risikovermeidung wegen der Spannungen in Griechenland und der tristen Arbeitsmarktlage in den USA, auf einen kräftigeren Aufschwung zu warten. So wie es aussieht, scheint dieser derzeit an Momentum zuzulegen.

Der gestrige positive ADP-Bericht zum Wechsel der US-Beschäftigung trug ebenfalls zur risikofreudigen Stimmung bei den meisten Investoren bei, die aufgrund der europäischen Leitzinsanhebung einsetzte. Sollten die Daten des heutigen Arbeitsmarktberichts (NFP) diesen optimistischen Trend fortsetzen könnte es sein, dass der Dollar schwere Kursverluste zu seinen Währungsrivalen hinnehmen muss, da Händler sich nach höhere Erträge erzielenden Anlagen umsehen.

In Erwartung einer Leitzinsentscheidung am heutigen Tag scheinen viele Investoren es Leid zu sein Risiken einzugehen. Sollte die EZB, wie erwartet, den Leitzinssatz heute anheben, besteht die Möglichkeit, dass der EUR einen kräftigen Abschwung verzeichnen wird, während Investoren die Daten mit Chinas Anpassung vergleichen, was darauf hinausläuft, dass das Thema Inflation mehr und mehr zu Besorgnis führt und die Risikofrage in den Hintergrund tritt.

Beim asiatischen Handel verzeichnete der US Dollar Kursanstiege zu den anderen Haupt-Währungen. Die verkürzte Handelswoche könnte sich als kritisch für die Fortsetzung der Risikobereitschaft erweisen, die vergangene Woche durch die Verabschiedung des griechischen Sparhaushalts und die besser als erwarteten ISM Daten ausgelöst wurde. Laut einem Artikel der Financial Times zeigt sich scharfer Gegenwind bereits dadurch, dass S&P die Verlängerung des griechischen Schuldenplans ablehnt und dass es bei einigen Rohstoffen zu Preiseinbrüchen gekommen ist.

Nach der Verabschiedung des griechischen Sparhaushalts, den positiven US Daten des Einkaufsmanagerindexes aus Chicago und dem nationalen ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe stieg die Risikobereitschaft merklich an. Allerdings schwächelten die Fertigungsdaten in Großbritannien, Europa und China. Der am Wochenende in China veröffentlichte enttäuschende Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen fiel von 61,9 auf 57,0, was die langsame Entwicklung der Weltwirtschaft verdeutlichte.

Die EUR/USD-Paarung stieg gestern mit 1,4570 nahe einem 3-Wochen-Hoch, nachdem positive Wirtschaftsberichte viele Investoren dazu veranlassten sich vom Safe-Hafen-Dollar zurückzuziehen. Der gestrige optimistische Einkaufsmanagerindex aus Chicago trug zwar ebenfalls zum Trend der Risikofreudigkeit bei, allerdings war die stärkste Triebfeder hinter dieser Bewegung das Nachlassen der Sorgen über Griechenland in Europa, nachdem der Sparhaushalt im griechischen Parlament verabschiedet worden war.