Currency Carry Trades

Zu den interessantesten Phänomenen des Devisenmarktes zählen gemeinhin sog. Carry Trades. Bei dieser Spekulationsalternative nimmt der Investor einen Kredit in einer Währung mit einem verhältnismässig niedrigen Zinsniveau auf, um hiervon in einer anderen Währung (mit entsprechend höherem Zinsniveau) notierte Zinspapiere zu erwerben. Die Zielsetzung besteht darin durch die die Finanzierungskosten übersteigenden Zinserträge einen Gewinn zu erzielen. Das Risiko von Curreny Trades setzt sich aus der Schwankung des Wechselkurses und Aenderungen im Zinsniveau zusammen, oder anders ausgedrückt der Ertrag wird bestimmt durch den Unterschied zwischen Finanzierungszins und Anlagezins sowie Gewinn oder Verlust aufgrund der Veränderung des Wechselkurses.

Zur Verdeutlichung der Angelegenheit ein veranschaulichendes Beispiel: Aufgrund der niedrigen Zinsen in Japan entscheidet sich ein Investor nach einem eingehenden Zinsvergleich einen Kredit in Yen aufzunehmen und legt diese in einer anderen Währung wie dem Euro oder dem US-Dollar an. Das Geschäft ist aufgrund des Zinsunterschiedes zunächst als profitabel anzusehen, dies allerdings nur sofern der Wechselkurs halbwegs konstant bleibt oder (der Idealfall!) sich sogar zugunsten des Anlegers entwickelt. Bei extremen Einbrüchen zu Ungunsten der Spekulation verliert der Investor aber in entsprechend grossem Umfang da er den Kredit ja in Yen bedienen muss. Was bleibt ist ein möglichst schneller Ausstieg aus dem Trade mit dem Ziel der Verlustbegrenzung was wiederum zu einem weiteren Anstieg des Yen aufgrund steigender Nachfrage führt. Der konkrete Einfluss derartiger Currency Carry Trades auf die Wechselkursentwicklung ist schwer einzuschätzen, dem Grundsatz nach jedoch unumstritten.

Der Theorie nach und auch von Fachleuten immer wieder betont soll der finanzierungsbasierten Form der Ausnutzung von Zinsunterschieden keine besondere Rentablitätschancen innewohnen. Dies ist jedoch falsch, die Erfahrung hat gezeigt, dass die Strategie in den allermeisten Jahren funktionierte, dies teilweise sogar überaus gut. Negative Ergebnisse waren im Strategie-Test vor allem in Jahren mit extrem hoher Volatiltät beim Devisenkurs und geringen Unterschieden beim Zinsniveau der Industrienationen auszumachen. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit die Risikokomponente beim Wechselkurs durch das Eingehen von Terminmarkt-Geschäften und beim Zinsniveau über festverzinsliche Geschäfte zu mindern, dies führt allerdings selbstverständlich zu einer geringeren Rendite.

Nicht verwechselt werden darf der Ansatz mit sog. Arbitrage-Geschäften. Hier wird der Preisunterschied für ein bestimmtes Instrument an unterschiedlichen Börsen genutzt, über entsprechende Transaktionsgrössen multiplizieren sich die minimalen Preisunterschiede (der Zielsetzung nach) zu einem entsprechenden Gewinn. Arbitrage-Geschäfte zeichnen sich durch einen sofortigen Ausgleich aus (der Anleger will ja nicht wirklich investiert sein), im Gegensatz hierzu ist beim Currency Carry Trade das “Risiko im Markt” vorhanden.