Automatische Handelssysteme, Expert Advisors und Demokonten

Es sei an dieser Stelle vorausgeschickt, dass die von den allermeisten Forex Brokern angebotenen Demokonten eine ideale Möglichkeit darstellen sich mit Trading-Software und Markt vertraut zu machen und in jedem Falle für Anfänger zu empfehlen sind. Wer ein derartiges Demokonto registriert, der sollte aber einige wichtigen Fakten immer im Hinterkopf behalten, um beim ersten Realtrade keine bösen Überraschungen zu erleben.

Als erstes zu nennen ist in diesem Zusammenhang die sofortige Orderausführung in der Simulation ohne Requote. Requote bedeutet, dass eine zeitliche Verzögerung zwischen der Handelsanweisung des Traders und dem Angebot des Brokers entsteht, aufgrund derer der Broker ein neues Angebot unterbreitet. Besonders in volatilen Marktphasen kann dies durchaus häufig vorkommen.


Der zweite wichtige Punkt, welcher in Abhängigkeit vom gewählten Broker in volatilen Handelsphasen zu beobachten ist, ist in der künstlichen Erweiterung des Spreads zu sehen. Während beim Demotrading immer mit dem normalen Spread gehandelt wird kann es beispielsweise bei Veröffentlichung wichtiger Wirtschaftsdaten dazu kommen, dass Ask und Bid um mehrere Pips “auseinander gezogen” werden und so ein Spread von 10, 12 oder noch mehr Pips entsteht. Die Folge im Realtrading dürfte sich auch einem Anfänger auf den ersten Blick erschließen: Die Gewinnzone ist beim Einstieg in den Trade weit entfernt und alle Planungen ad acta gelegt. Problematisch ist in diesem Zusammenhang vor allem die Tatsache, dass charttechnische Analyseüberlegungen im Prinzip ad absurdum geführt werden. Viele Trader setzen sog. Expert Advisors ein (automatische Handelssysteme), welche auf der Basis von Indikatoren Signale generieren. Die Gewinnchancen des Trades sehen bei einer extremen Spreaderweiterung aber natürlich ganz anders aus.

Apropos automatische Handelssysteme: Unter dem Stichwort Expert Advisor gibt es zahlreiche Signalsysteme, welche einzelne technische Indikatoren kombinieren und hieraus konkrete Handelssignale für Ein- und Ausstieg generieren. Die besseren Software-Varianten bieten die Möglichkeit des sog. Backtestings, was bedeutet, dass die Profitabilität des Expert Advisors anhand historischer Kursdaten überprüft werden kann. Schön und gut soweit, allerdings geschieht dies ausschließlich mit Bid-Kursen. Die Überwindung des Spreads zum Sprung in die Gewinnzone fehlt also. Schlussfolgernd sollte man ein automatisches Handelssystem immer eine angemessene Zeitspanne unter Realtimenbedingungen testen.


Bezüglich des Einsatzes automatischer Handelssysteme ist zudem darauf zu achten, dass die besten Signale dann generiert werden, wenn entsprechend hohe Umsätze vorhanden sind. Aufgrund der Tatsache, dass sich der Forexmarkt von Australien startend über Japan und Europa in die USA fortbewegt, gibt es Zeiten mit geringerer Marktaktivität (nur ein Major Markt geöffnet) und solche mit hohen Umsätzen (zwei oder drei Major Märkte geöffnet). Die unmittelbare Bedeutung dieser Tatsache für den Forex-Trader besteht darin, dass bei dünnem Handel generierte Signale das Zufallsmoment in starkem Maße in sich tragen. Insbesondere beim Euro wird der Umsatz zum Abend hin recht dünn, Handelssysteme über Nacht einzusetzen ist daher allenfalls beim US-Dollar und beim Yen sinnvoll.

Grundsätzlich lässt sich festellen, dass bei Expert Advisors die Verwendung von Tickdaten sinnvoll ist, da es ansonsten zu Fehlsignalen bei offenen Positionen mit der Einstelllung “Open Price” kommen kann. Tickdaten bringen den Vorteil genauerer Daten, auch wenn das ganze deutlich länger dauert. Die Bedeutung ausführlichen Testens unter Realtime-Bedingungen wurde bereits angesprochen, zudem sollte der Trader das Handelssystem auch tatsächlich beobachten. Nur bei physischer Anwesenheit lassen sich eventuelle Fehlsignale der aktuellen Marksituation korrekt zuordnen. Nicht zuletzt von entscheidender Bedeutung für EAs ist die laufende Versorgung mit Kursen. Ein Handelssystem kann nur dann korrekte Signale liefern wenn es ständig in der Lage ist “zu lernen”. Dies bedeutet, dass sich Computer, Internetverbindung und Handelssoftware im Dauerbetrieb befinden sollten.

 

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