US Dollar Index USDX als Dreh- und Angelpunkt
Eine der ersten Fragen, welche sich Forex-Anfänger in aller Regel stellen, ist jene nach dem Währungspaar der Wahl. Grundsätzlich lässt sich hierzu sagen, dass oft der Fehler gemacht wird besonders volatile Paare wie beispielsweise US-Dollar gegen Japanischer Yen zum Einstieg zu nutzen. Es liegt auf der Hand, dass volatile Paare ein erhöhtes Risiko in sich tragen und der Trader schnell entsprechend negative Erfahrungen sammelt.
Ein wichtiges Augenmerk soll zunächst der Frage Daytrading vs. Positionstrading gewidmet werden (zu letzterem später mehr). Die überwiegende Anzahl der Marktteilnehmer, insbesondere im Bereich privater Anleger, handelt intraday, es werden also in der Regel keine Position über Nacht gehalten. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass im Intraday-Bereich charttechnische Analysen ganz klar dominieren. Viele Trader positionieren sich aufgrund markttechnischer Überlegungen an bestimmten Stellen im vornherein und verstärken so Bewegung und Trend. Auch ein Trendbruch wird auf diese Art und Weise verstärkt, da Trader die bisher “long” waren “short” gehen um ihre Positionen auszugleichen (oder umgekehrt) oder sogar neue aufbauen. Die gemachte Aussage bezieht sich auf die reine Markttechnik, Indikatorensysteme sollen an dieser Stelle vernachlässigt werden.
Von grundlegender Bedeutung für den gesamten Forexhandel ist – wie sich leicht erahnen lässt – die Bedeutung des US-Dollar als wichtigster Währung weltweit. Die Korrelation zwischen der Entwicklung der Bezugswährungen ist in den allermeisten Fällen sehr stark, Ausreißer gibt es, allerdings sind sie Ausnahme und nicht Regel und zudem meist kurzfristiger Natur. Aufgrund dieser beschriebenen Korrelation wurde im Jahre 1973 eine Kennzahl eingeführt, welche den Dollar im Vergleich zu einem Währungskorb aus sechs Währungen (Euro, Japanischer Yen, Britisches Pfund, Kanadischer Dollar, Schwedische Krone, Schweizer Franken) abbildet. Der U.S. Dollar Index (USDX) ist mathematisch der geometrisch gewichtete Durchschnitt im Vergleich zu diesen sechs Währungen, er wird an der Terminbörse ICE Futures U.S. gehandelt.
Durch Betrachtung des US Dollar Index kann ein Trader also gewissermaßen erkennen wie der “große Trend” gegen den Dollar aussieht. Ein steigender Index bedeutet, dass der US-Dollar gegenüber den Währungen im Währungskorb stärker wird, ein fallender Index steht dagegen für eine Abwertung. Der Startpunkt der Index-Berechnung im Jahre 1973 hat seinen Ursprung in der Aufgabe des Bretton-Woods-Systems (feste Währungsrelationen), der Anfangswert betrug 100 Punkte. Wenn man die Entwicklung des Index bis zum heutigen Tage betrachtet, so findet sich das Allzeithoch im Jahr 1985 mit 164,72 Punkten und das Allzeittief im Jahr 2008 mit 70,70 Punkten.
Wenn sich der Leser nun die Frage stellen sollte welche grundsätzlichen Einflüsse für die Index-Entwicklung zu beachten ist, so ist auf verschiedene Faktoren zu verweisen: Die amerikanische Außenhandelsbilanz spielt eine Rolle, das Staatsdefizit, die Zinsunterschiede zwischen den USA und den anderen bedeutenden Währungsräumen… Wichtiger als die Frage nach dem historischen Einflüssen ist aber ohne Zweifel die Interpretation des Ganzen. Ein erster Ansatzpunkt ist hier in der Suche nach Divergenzen zu sehen. Derartige Divergenzen sind beispielsweise dann vorhanden wenn der USDX neue Höchststände ausbildet, der Euro aber keine neuen Tiefstände (Achtung: Entwicklung verläuft entgegengesetzt), umgekehrt gilt natürlich das Gleiche. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang auch die Einbeziehung historischer Widerstands- oder Unterstützungslinien. Die wohl bekannteste in diesem Zusammenhang ist die USDX-Unterstützungslinie bei 80,25 Punkten. Ein Unterschreiten derartiger Unterstützungslinien (bzw. natürlich auch ein Überschreiten von Widerstandslinien) zieht meist eine starke Marktreaktion nach sich da viele Trader bereits vorpositioniert sind.
Zusammenfassend betrachtet sollten Forex Trader den US Dollar Index in jedem Fall in ihre persönlichen Entscheidungsfindung einbeziehen, insbesondere für das Paar EUR/USD spielt der USDX eine wichtige Rolle. Die Begründung dieser besonders starken Korrelation ist einfach und naheliegend und fußt auf dem über 50%igen Anteil des Euros im Sechser-Währungskorb. Insbesondere langfristig ist der Index ein wichtiges ergänzendes Analyseinstrument, auch hier gilt: Mehrere Ansätze sollten eine bestimmte Schlussfolgerung immer bestätigen.


