Average True Range ATR

Eine wichtige Hilfsmessgröße bei zahlreichen Indikatoransätzen stellt die sog. True Range dar. Der Terminus geht auf den bekannten US-Analysten Welles Wilder zurück, dessen Zielsetzung darin bestand die Schwankungsbreite der von ihm bevorzugten Rohstoff- und Terminmärkte insofern besser abzubilden als auch eventuelle Kurslücken (Gaps) berücksichtigt werden sollten. Vom Grundsatz her wollte er den offensichtlichen Schwächen der bis dahin bekannten Ansätze wie der arithmetischen Durchschnittbildung der Tageshandelsspanne entgegentreten, weshalb er einige Zusatzbedingungen einführte welche neben der normalen Hoch-Tief-Spanne einer bestimmten Handelsperiode Beachtung finden sollten.

Konkret definierte er die True Range folgendermaßen:
* Für den Fall, dass das Hoch der aktuellen Periode über dem Schluss der Vorperiode liegt und die Spanne Hoch (aktuell) minus Tief (aktuell) kleiner als die Spanne Hoch (aktuell) minus Schluss (Vorperiode) ist, so findet letztere Beachtung (klassisches Aufwärtsgap).
* Für den Fall, dass das Tief der aktuellen Periode unter dem Schluss der Vorperiode liegt und die Spanne Tief (aktuell) minus Hoch (aktuell) kleiner als die Spanne Tief (aktuell) minus Schluss (Vorperiode) ist, so findet letztere Beachtung (klassisches Abwärtsgap).
* Für den Fall, dass die Spanne Hoch (aktuell) minus Tief (aktuell) größer ist als die beiden dargestellten Gap-Konstruktionen, so wird diese verwendet.


Gegenstand dieses Beitrages ist der Indikator Average True Range (ATR), hierbei handelt es sich schlicht und einfach um eine geglättete Variante des oben ausführlich beschriebenen True Range Konzeptes. Was die Art der Glättung anbetrifft gibt es verschiedene Ansätze, der klassische Simple Moving Average stellt heute den Regelfall dar. Die Anzahl der Perioden für die Glättung richtet sich nach den Zielen der Betrachtung und den der Analyse zugrunde liegenden Märkten, Zeiträume zwischen fünf und 30 Tagen sind häufig anzutreffen.

Die wichtigste Erkenntnis, welche sich dem ATR entnehmen lässt, ist ein Maß für die Volatilität im Basistitel zu bekommen. Es kann ein besseres Abbild des Marktes gewonnen werden als mit herkömmlichen Methoden da in der Handelsspanne auch eventuelle Kurslücken berücksichtig werden. Hohe Indikatorwerte signalisieren eine hohe Volatilität, niedrige einen entsprechend trägen Marktverlauf. Dies ist insofern von Bedeutung als viele beginnende Trends mit sich erhöhenden Handelsspannen einhergehen, sich dem Ende zuneigende Trends dagegen durch geringer werdende Handelsspannen gekennzeichnet sind. Insofern lassen sich über das Average True Range Konzept also Rückschlüsse auf die Trendstärke gewinnen, nicht jedoch auf die Trendrichtung. Ein häufiges Anwendungsgebiet dieses Volatilitätsindikators ist auch die Einbindung in Handelssysteme als Unterstützung von auf Bändern und Kanälen basierenden Handelslogiken (beispielweise Keltner-Channels oder Hull-Range-Bänder).

Gute Dienste leisten kann das True-Range-Konzept auch beim Einsatz von Risiko-Stops und Trailing-Stops. Dies insofern als die durch ATR gemessene Volatilität wichtige Hinweise geben kann ob der Stop enger am Markt (geringe Volatilität) oder etwas weiter weg vom aktuellen Kurs (hohe Volatilität) gesetzt werden muss. Bei der Verwendung im Zusammenahng mit Trailing-Stops kann verhindert werden, dass durch das “Rauschen des Marktes” Positionen zu früh aus dem Markt geworfen werden (Trailing-Stops auf Basis von Indikatoren, nicht auf Basis reiner Markttechnik).

 

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