Balance of Market Power BMP
Nicht unbedingt zu den Standardindikatoren zählend, dennoch eine kurze Erläuterung wert ist die auf Igor Livshin zurückgehende Balance of Market Power (BMP). Es handelt sich um einen Oszialltoransatz auf Basis der Abbildung der beiden entgegengerichteten Marktkräfte (bullishe und bearishe Komponente) mit dem Ziel die Trendstärke zu quantifizieren.
Die relativ einfache rechnerische Ermittlung von BMP leitet Livshin aus drei unterschiedlichen Komponenten ab. Dabei widmet er sich zunächst der Fähigkeit der Bullen und Bären – ausgehend vom Perioden-Eröffnungskurs – das angestrebte Tagesextrem zu erreichen. Das Ergebnis von (Open minus High) wird durch die Tagesspanne geteilt und den Bullen gutgeschrieben, entsprechend das Ergebnis von (Open minus Low) geteilt durch die Tagesspanne den Bären. Die zweite Teilkomponente widmet sich der Fähigkeit der beiden Marktkräfte das jeweilige Extrem der anderen Seite gegenzusteuern. Also: Ergebnis (High minus Close) geteilt durch die Tagesspanne für die Bären, Ergebnis (Low minus Close), geteilt durch die Tagesspanne, für die Bullen. Dritter Berechnungsbestandteil ist eine Art Bonus für die innerhalb der jeweiligen Handelsperiode siegreiche Markkraft. Falls Close größer Open, geht ein Bonus an die Bullen, berechnet aus dem Ergebnis (Close minus Open), geteilt durch die Tagesspanne. Im anderen Falle profitieren die bearishen Kräfte von einem Bonus, berechnet aus dem Ergebnis (Open minus Close), wiederum geteilt durch die Tagesspanne.
Der Wert von Balance of Market Power ergibt sich nun indem man die Differenz aus gemittelten bullishen Komponenten und gemittelten bearishen Kräften (einfache Addition und Division durch drei) mit einem gleitenden Durchschnitt (häufig 14 Tage) versieht. Die relative komplexe Herleitung von BMP lässt nicht vermuten, dass der Indikatorwert selbst aufgrund von mathematischen Kürzungen und Vereinfachungen schlicht und einfach durch Division von (Close minus Open) und (High minus Low) ermittelt werden kann.
Dem ursprünglichen Konzept folgend wird der Indikator als einfache Linie gezeichnet, es besteht aber natürlich auch die Möglichkeit Hilfsindikatoren wie die Bollinger Bänder einzubeziehen. Schwieriger wird es dem dargestellten Ansatz konkrete Handelssignale abzugewinnen. Der Erfinder selbst setzt dabei auf zwei BMPs mit unterschiedlichem Zeithorizont und die Einbeziehung von Trendlinien im kürzeren BMP. Signale werden nur gehandelt wenn der längere BMP Trendlinienbrüche in der jeweiligen Richtung bestätigt. Eine weitere Möglichkeit Balance of Market Power sinnvoll einzusetzen ist die beliebte Suche nach Divergenzen (beispielsweise wenn der Basiswert noch neue Tiefpunkte ausbildet, der Indikator jedoch nicht). Derartige Divergenzen können auf einen sich abschwächenden Trend und eine mögliche Trendumkehr hinweisen.


