Bollinger Bands
Wie der Name vermuten lässt auf einen technischen Analysten gleichen Namens zurückgehend handelt es sich bei den Bollinger Bands um einen der am meisten verbreiteten Indikatoren überhaupt. Der Ansatz lässt sich in eine ganze Reihe von Kursbändern einordnen welche in den 60er Jahren ihren Ursprung haben. Ziel aller dieser Ansätze war es einen Indikator zu konstruieren, der den “wahren Kursverlauf” sichtbar machen und die Kursänderungen von unbedeutenden Schwankungen (Stichwort “Rauschen des Marktes”) befreien sollte.
Der Weiterentwicklung technischer Analysemethoden folgend sind Trendlinien und darauf aufbauend Trendkanäle als Vorgänger aller Kursbänder anzusehen, eine wichtige Rolle spielte auch die Einführung gleitender Durchschnitte welchen im Zusammenhang mit allen Kursbändern eine entscheidende Rolle zukommt. Letztere Aussage wird deutlich wenn man sich die beliebten Envelopes als Urvater aller Kursbandindikatoren ansieht, hierbei handelt es sich um nichts anders als zwei um einen bestimmten Prozentsatz um einen gleitenden Durchschnitt herum versetzte Kurslinien. Allen Ansätzen gemeinsam ist das Ziel den Kursverlauf zu einem hohen Prozentsatz innerhalb der Bänderkonstruktion “einzufangen” (die Kurse bewegen sich im “normalen” Bereich) und – damit verbunden – Unterstützungs- und Widerstandsebenen sichtbar zu machen.
Ausgehend von den Schwächen der bis dato bekannten Ansätze wollte Bollinger ein Kursfolgesystem schaffen, das die Volatilitätskomponente beinhalten sollte. Dies erreichte er indem er die mathematische Standardabweichung in das Konzept einbezog und so die Ausgestaltung der Bänder an der Datenverteilung orientierte. Konkret ging er dabei so vor, dass er zunächst einen Simple Moving Average konstruierte (heute finden teilweise auch andere Durchschnittsarten Anwendung) und danach die Standardabweichung auf den Kursverlauf berechnete. Veranschaulichend dargestellt gibt diese an wie stark die Werte um ihren Mittelwert schwanken. Eine hohe Standardabweichung kennzeichnet einen volatilen Markt, eine niedrige einen eher ruhigen Kurswertverlauf. Da über die einfache Standardabweichung lediglich etwa 70 Prozent der Kurse “eingefangen” werden konnten entschied er sich für eine Multiplikation mit dem Faktor 2, was nun bereits 95 Prozent aller Werte innerhalb der Bollinger Bänder hält.
Im Orginalkonzept von Bollinger finden einfache gleitende Duchschnitte (SMA) unter Verwendung der Periodenschlusskurse Verwendung. Beides kann jedoch individuell angepasst werden, statt einem einfachen sind auch gewichtete oder exponentielle Durchschnitte möglich, statt Schlusskurse können auch typische oder gewichtete Kursvarianten eingesetzt werden. Beim typischen Preis werden High, Low und Close addiert und anschließend durch 3 dividiert, beim gewichteten Kurs erhält der Schlusskurs eine höhere Wertigkeit über Multiplikation mit einem bestimmten Faktor (meist 2). Was die Bildung des SMA (Standard 20 Perioden) und damit verbunden den Faktor für die Multiplikation (Standard 2) anbetrifft, ist anzumerken, dass der Anwender darauf achten sollte, dass die Bänder grundsätzlich so eng wie möglich am Kursgeschehen liegen, wenige Durchbrüche vorhanden sein und die Mittellinie mehr Unterstützungslinie denn Durchbruchspunkt sein sollte. Neben der erwähnten Standard-Kombination werden oft auch Bänder mit der Kombination aus 10 Perioden und 1,5 Standardabweichungen bzw. 50 Perioden und 2,5 Standardabweichungen gewählt.
Bei einem Blick auf die konkrete Aussagekraft der Bollinger Bands ist grundsätzlich zwischen trendlosen und trendstarken Phasen zu unterscheiden. Für den Fall eines trendlose Marktverlaufes bilden die Bänder Unterstützung und Widerstand. Dies zeigt sich bei einem Blick auf den Chart darin, dass der Kurs beim Errreichen eines der Bänder sich wieder zurückbewegen wird in Richtung des anderen Bandes, gewissermaßen zwischen beiden Bändern “hin und her springt”. Während trendstarker Marktphasen empfiehlt Bollinger die unterstützende Verwendung eines Trendstärkeindikators, beispielsweise On Balance Volume oder Relative Strength Index. Die Kombination aus beiden Indikatoren ist dann letztendlich dafür verantwortlich ob bei einem Durchbrechen der Bänder von einem startenden Trend ausgegangen werden kann oder nicht. Für den Fall dass der Trendstärkeindikator den Bänderdurchbruch bestätigt kann beobachtet werden, dass die Mittelinie oft eine Unterstützung für Korrekturen darstellt.
Ein weiterer Anwendungsbereich des Konzeptes ist in der Bewertung von Top- und Bodenformationen zu sehen. Als Buy- bzw. Sell Setup ist jeweils die Ausbildung des ersten Schenkels außerhalb und des zweiten Schenkels innerhalb des oberen bzw. unteren Bollinger Bands definiert. Schließlich liefert der Indikator über die Breite des Bandes natürlich gute Hinweise bezüglich der zu einem bestimmten Zeitpunkt vorherrschenden Volatilität. Während trendloser Marktphasen sprechen schmale Bänder für eine geringe Marktaktivität, bei einem längeren Anhalten dieser Situation kann auf eine größere Kursbewegung spekuliert werden, jedoch nicht auf deren Richtung. Breite Bands sind indes ein Hinweis auf starke Schwankungen wie oft am Beginn von Konsolidierungen zu beobachten. Für den Fall eines länger anhaltenden Trends ist ebenfalls oft eine geringe Bandbreite auszumachen, konkrete Signale sind hier nicht auszumachen.


