Directional Movement Index DMI
Sehr bekannt und Teil fast aller gängigen Handelsstationen ist das Directional Movement Konzept von Welles Wilder. Dieser schuf auf Basis des Directional Movement Index DMI mehrere Standardindikatoren zur Identifizierung von Trends.
Die verschiedenen teilweise aufeinander aufbauenden Indikatoren des Directional Movement Konzepts basieren alle auf dem DMI, weshalb dieser an dieser Stelle ausführlicher beschrieben werden soll. DMI ist das Ergebnis der Zusammenführung zweier Teilindikatoren, nämlich der positiven Bewegung (+DI) und der negativen Bewegung (-DI). Auf Basis der Überlegung, dass sich Trendphasen durch steigende Hochs oder fallende Tiefs auszeichen, erfolgt die Summierung der Differenzen dieser Werte woraus sich der Anteil der Aufwärts- und Abwärtsbewegung im Betrachtungszeitraum ergibt. Konkret dient also bei einem neuen Hoch der Unterschied zwischen gestrigem und heutigem Hochpunkt als Basis von +DI und bei einem neuen Tief der Unterschied zwischen gestrigem und heutigem Tiefpunkt als Basis von -DI. Bei neuem Tief UND neuem Hoch findet der größere Wert Beachtung, bei Handelstagen ohne Erreichen neuer Extrempunkte wird der Wert Null verwendet. Zweite Berechnungskomponente ist nun noch die Summe der sog. True Ranges (tägliche Spannen zwischen Hoch und Tief, wobei im Falle von Kurslücken das Aufwärts- bzw. Abwärtsgap berücksichtigt wird). +DI ergibt sich nun indem die positiv gerichtetete Kursbewegung durch die Summe der True Ranges dividiert wird, –DI analog. Der Orginalansatz von Wilder sieht aufgrund des unruhigen Charakters des Indikators noch eine arithmetische Glättung über den Betrachtungszeitraum und eine Multiplikation mit 100 vor.
DMI selbst errechnet sich schließlich als absoluter Wert der Differenz von +DI und –DI, dividiert durch die Summe von +DI und –DI. Zum Abschluss erfolgt noch eine Multplikation mit 100.
Was den gewählten Zeitraum für die Berechnung anbetrifft so benutzt Wilder 14 Tage, was aber mit dem 28-Tage-Zyklus der von ihm bevorzugten Rohstofffutures zusammenhängt. Die Wahl der individuellen Berechnungsperiode ist Geschmacksache, grundsätzlich führen längere Einstellungen dazu dass das Konzept mehr als Trendfilter nutzbar ist, aber nicht mehr für konkrete Handelssignale.
Was konkrete Anwendungsbeispiele des Directional Movement Konzeptes anbetrifft sei zunächst auf +DI- und –DI eingegangen: Diese beiden Teilindikatoren bewegen sich immer zwischen 0 und 100, die Lage der beiden Linien zueinander gibt Aufschluss über Richtung und Intensität des vorherrschenden Trends. Bei einem Aufwärtstrend befindet sich +DI oberhalb von -DI, bei einem Abwärtstrend umgekehrt. Der Abstand zwischen den beiden Linien lässt einen Rückschluss auf die Trendintensität zu, je größer der Abstand ist desto stärker ist der Trend. DMI selbst ist als reiner Trendstärke-Indikator anzusehen, ein Rückschluss auf die Trendrichtung ist nicht möglich. DMI findet primär in der geglätteten Version des ADX Verwendung, eine weitere Möglichkeit besteht auch darin Trendaussagen zu filtern indem zwei verschiedene Periodenangaben verwendet werden welche beide die implizierten Aussagen bestätigen müssen.
Zusammenfassend betrachtet ist anzumerken, dass das Konzept in heutiger Zeit nicht mehr gleich gut anwendbar ist wie zur Zeit der Entwicklung durch Wilder (Ende der 70er Jahre). Vor allem die stark zunehmende Volatilität der Märkte sowie der Wechsel zwischen Seitwärtsphasen und Korrekturen führen zu einem Ansteigen der Quote an Fehlsignalen. Ein Trendwechsel wird zudem oft erst dann angezeigt wenn eine Korrekturphase beginnt.


