Exponential Moving Average EMA
Das Konzept gleitender Durchschnitte mit dem Simple Moving Average SMA als Mutterindikator weist als wichtigste Eigenschaften eine (erwünschte) Glättung des Kursverlaufes und eine Verzögerungskomponente auf. Letzerer Bestandteil (also gewissermaßen ein “Hinterherlaufen” der Indikatorlinie) wird durch verschiedene Weiterentwicklungen des Konzepts abzuschwächen versucht.
Die zweite Stufe der Weiterentwicklung stellt der Exponential Moving Average EMA dar, im Gegensatz zum Weighted Moving Average WMA kommt keine lineare Gewichtung der Kursdaten zum Einsatz, sondern – wie der Name bereits vermuten lässt – eine exponentielle. Während beim SMA und auch beim WMA mit jeder neuen Handelsperiode der älteste Wert zugunsten des aktuellen eliminiert wird, findet beim EMA eine fortlaufende Berechnung statt. Zum Indikatorwert der letzten Handelsperiode wird ein Anteil des aktuellen Werts hinzugerechnet. Die exponentielle Datengewichtung sorgt dafür dass die älteren Kurswerte von Tag zu Tag mehr an Einfluss verlieren.
Der wichtigste Pluspunkt des EMA stellt die hohe Reagibilität dar, bei vollständiger Erhaltung der Glättungseigenschaften wird die Verzögerungskomponente deutlich reduziert, der Indikatorverlauf liegt wesentlich näher am Basiskursverlauf als dies beim aritmethischen Mittel der Fall ist. Was den Vergleich zwischen Weighted und Exponential Moving Average anbetrifft so lassen sich kaum allgemeingültige Aussage treffen welcher Durchschnitt zu bevorzugen ist auch wenn dem EMA in Theorie und Praxis etwas größere Bedeutung zukommt.
Die mathematische Berechnung des EMA ist verhältnismäßig komplex, da dies in aller Regel von den diversen Chartanalyse-Programmen zuverlässig übernommen wird, muss sich der Trader hierum aber nicht im Detail kümmern. Die entscheidende Bedeutung kommt dem Gewichtungsfaktor zukommt, der in manchen Quellen aus früheren Tagen einen reinen Prozentwert darstellt (also 1 geteilt durch Berechnungsperiode), heute jedoch in den meisten Fällen durch Division von 2 und (Berechnungsperiode + 1) ermittelt wird. Die Berechnungsperode (meist 10 oder 5 Tage) ist wohlgemerkt ausschließlich der Ermittlung des Gewichtungsfaktors zugedacht, da für den Indikator selbst ja alle Basiskursdaten verwendet werden. Der aktuelle EMA-Wert ergibt sich indem die Differenz aus aktuellem Basiskurs und gestrigem Indikatorwert mit dem Gewichtungsfaktor multipliziert und zum Indikatorwert der Vorperiode addiert wird. Interpretation und Verwendungsmöglichkeiten des EMA entsprechen den Ausführungen bei den einfacheren Durchschnittsarten, eine bekannte Praxis-Erweiterung stellt der Moving Average Convergence / Divergence – Indikator dar, der auf zwei EMAs basiert und die Differenz aus kürzerem und längerem Durchschnitt darstellt.
Wird statt dem Preis das Volumen zur Ermittlung des Gewichtungsfaktors herangezogen so kommen wir zum Elastic Volume Weighted Moving Average (EVWMA). Es handelt sich ebenfalls um eine exponentielle Durchschnittsermittlung, die tägliche Änderung des Handelsvolumens sorgt hier für eine ständige Anpassung des Gewichtungsfaktors. Zur Ermittlung wird ein Standardwert für das tägliche Volumen und ein Divisor für die Reagibilitätssteuerung herangezogen. Handelsperioden mit steigendem Volumen gehen mit einem kleiner werdenden Gewichtungsfaktor und einem trägeren Indikatorverlauf einher, Perioden mit fallendem Volumen entsprechend mit einem größeren Gewichtungsfaktor und einer höheren Reagibilität. Der Elastic Volume Weighted Moving Average wird oft als Trendfilter (Lage Durchschnitt zu Schlusskurs) und als Signalgeber (Schnittpunkte Basiswert / Indikator) verwendet.
Eine gewisse Praxisrelevanz kommt außerdem noch dem Moving Average Exponential Modified (MEMA) zu, dieser kombiniert den Simple mit dem Exponential Moving Average Ansatz. Der erste MEMA-Wert (n-te Periode) entspricht dem SMA der ersten n Indikatorwerte. Die weitere Berechnung erfolgt dann analog dem EMA wobei jedoch ein Gewichtungsfaktort von 1/n zum Einsatz kommt.


